Abweichungen

Schon während der Produktion kam aus den verschiedensten Gründen zu Abweichungen vom Standard auf Herstellerseite, deren Zulieferern und nicht zuletzt durch die Nutzer, vor allem der Wehrmacht. Hintergrund solcher Änderungen waren Verbesserungen und Anpassungen an örtliche Bedürfnisse und vor allem Notwendigkeiten begründet in der Mangelwirtschaft. Teilweise gab es auch ganz einfach Ausstattungsvarianten und Zubehör, die der Hersteller selbst anbot.
      · Kraftstoff: Ein wichtiger Einschnitt war die Umstellung des Kraftstoffs auf Oktanzahl 74 im Jahre 1940 und die entsprechenden Änderungen am Vergaser und dem Zylinderbrennraum. Die Wehrmacht nahm die neuere Variante als Standard und ließ nahezu alle Fahrzeuge, die vor 1940 produziert wurden, auf OZ74 umbauen (leicht zu erkennen am Vergasertypenschild).

      · Fremdhersteller: Weil BMW für die R12 zahlreiche Bauteile von Fremdherstellern bezog, waren sie selbst den eigenmächtigen Modelländerungen durch die Zulieferer ausgeliefert.

      · Einsatzprobleme: Wie z.B. die auftretenden Schwierigkeiten im Ostfeldzug erforderten die unterschiedlichsten Verbesserungen an den Fahrzeugen.

      · Bestellung: BMW hatte Ausstattungsvarianten wie Solo oder Seitenwagen im Angebot, zudem Batteriezünder oder Magnetzünder, einfachere Schutzbleche und bei den späteren Versionen Modelle mit verstärkten Rahmen für Motorrad und Seitenwagen. Die Wehrmacht verwendete viele Modelle, die von Zivilisten requiriert waren und bestellte einiges an Sonderzubehör nach, wie z.B. Heizungen für den Russlandfeldzug und Packtaschen aus Leder. Truppenwerkstätten bauten nach örtlichen Bedürfnissen weiter um, z.B. Motorunterschutz, Luftfilter für Afrika, MG Lafetten für das Seitenwagenboot und viele weitere Halterungen und Konsolen für Handgranaten, Munition oder Spaten.

      · Pfuschen in der Not: Durch die Integration von beschlagnahmten zivilen Motorrädern in die Wehrmachtsbestände kamen in den Truppenwerkstätten die unterschiedlichsten Ersatzteile zum Einsatz. Man fand im Feld bald heraus, dass sich viele Teile der Krafträder aus dem weiten Modellspektrum von BMW oder anderen Herstellern untereinander austauschen ließen. Der Erfinderreichtum kannte kaum Grenzen.

      · Nachkriegs-Chaos: Nach dem Krieg grassierte zunehmend die Ersatzteilmigration zwischen den militärisch genutzten BMW-Modellen (R2, R4, R 42, R11, R12, R17, R35, R75). Speziell Fahrzeuge, die noch Jahrzehnte nach Kriegsende im Ostblock und auf dem Balkan gefahren wurden, waren davon betroffen.